Andererseits erzählt der Autor sehr viel über ihre Arbeitsweise und deren Hintergründe, über die Bedingungen und die „Philosophie“ ihres künstlerischen Schaffens. Zum Beispiel lese ich da so lapidar hingeschriebene Sentenzen wie:
Schon häufiger hab ich den Satz zitiert: „Das Leichte ist besonders schwer!“ Damit ist ja gemeint: „Es ist schwer, Komödie zu machen.“ Was ist denn komisch? Was ist funny? Stan Laurel wusste es, er war lange genug auch Bühnendarsteller (Vaudeville), vor Live-Publikum, wusste von daher zu timen, Reaktionen zu provozieren und abzuwarten, was dann in die Filme mit hinüber genommmen wurde (zum Beispiel durch eine längere Einstellung auf Ollis Gesicht, welches dieser in Reaktion auf eine Stan-Aktion schnitt).
Stan Laurel hat sich aber geweigert, irgendwo zu lehren oder gesprächsweise von sich zu geben, was für ihn funny ist. Dick van Dyke will so eine Passage im Gedächtnis haben, in der Laurel auf die Frage ‚was ist komisch’ geantwortet haben soll: „How do I know? Can you analyze it?“ Alles, was er wisse sei „just how to make people laugh“. Peng! Jetzt muss der Zylinder runter.
Die beiden haben sich in die Voraufführungen ihrer Filme gesetzt, haben die Lacher mitgezählt; das Ergebnis hatte jeweils Folgen: Es wurde umgeschnitten, gekürzt, neu gedreht. Die Filme hatten, bevor sie ins Kino kamen, Tausende gesehen. Und es darf in diesem Zusammenhang erinnert werden: Shakespeare-Stücke sind nicht die Frucht eines Erfinder-Autors – sie sind praktisch das Protokoll dessen, was vom Ensemble in zig Aufführungen vor Publikum erprobt und was sich so als haltbar (und publikumstauglich) erwiesen hatte.
Dario Fo arbeitet so ähnlich. Tabori hat sinngemäß gesagt, eine Premiere ist nur eine Station, man zeigt, was man bis dahin erarbeitet hat. Machst DU so was mit bestimmten SchauspielerInnen heute, scheiterst Du. Für manche ist es Pflicht der Regie, von Anfang an zu wissen, wann und wo welcher Effekt, welcher Gag, welcher Gimmick gesetzt wird. Und dann, bitte, bitte, nicht mehr dran rütteln. Diese KollegInnen schwätzen ihren Text auch in jede Publikumsreaktion hinein, hören meist auch nicht wirklich, was andere auf der Bühne tun, liefern ihren Text dessen ungeachtet und treten dann sozusagen geistig ab, bis sie wieder „dran“ sind (mit Text).
Was komisch ist, worüber wir lachen – da gibt es ja ne Menge Theorien. Große Geister haben sich damit befasst. Wann, wie auf der Bühne gelacht wird, über was auf der Bühne gelacht, wer oder was verlacht werden darf – da könnte man Bücher schreiben. Oder ein paar kategorische Imperative verfassen. (Memo: mal – wieder – reinschauen in Lessing Hamburgische Dramaturgie). Da zu meiden, was zu meiden ist (Lacher auf Kosten von Menschen, die bestimmte Eigenschaften nicht zu verantworten haben und nicht ändern können), aber das Übrige hemmungslos und verwegen das dem Gelächter preisgeben – das unterscheidet gute Komödien von schlechten.
Jetzt les ich gerade in einer dpa-Meldung:
Kommt mir nur der Gedanke: So subversiv wie Stan und Olli sein, das wär’s doch, könnte klappen. Auf Lacher spielen. Über Menschlich-allzu-Menschliches, den alltäglichen Wahnsinn, über menschliche Eigenschaften, welche die Träger dieser Eigenschaften ändern können. Und ändern müssten! Da müsste man aber die „Methode Shakespeare“ anwenden: Da dürfte man sich nicht zu fein sein, immer wieder vor Publikum zu erproben, was letztlich halt- und brauchbar ist.
Ob da dann zum Subversifizieren noch viel Klaschisses (wie Loriot, nein, eher: Heinz Erhardt sagen würde) übrig bleibt?
