Freitag, 15. April 2011

Ulm links liegen lassen

Schwal
Glacis-park_in_neu-ulm
Neu-Ulm liegt rechts der Donau. Wer die Donau hinunterpaddelt oder flussabwärts rudert, lässt Ulm links liegen. Nun ist die ehemalige freie Reichsstadt Ulm, die dann später auch bayerisches Oberamt war, bevor sie von Napoleon den Württembergern geschenkt wurde, also dieses Ulm ist schon wichtig für die Region - aber immer darüber zu starren? Bloß weil der bedeutendste Künstler Neu-Ulms, der Bildhauer Edwin Scharf (1887 - 1955), gesagt hat (oder haben soll): "Das Schönste an Neu-Ulm ist der Blick auf Ulm."?

Irgendwie geht das manchem auf den Keks. Und jetzt bewegt sich was. Es wird angestoßen ein Projekt "Neu-Ulm 2015". Das Gebiet rechts der Donau ist vor ziemlich exakt 200 Jahren (Mai 1811) selbständig geworden. Und immerhin war es kein Geringerer als der phantasievolle "Märchenkönig" Ludwig II., welcher Neu-Ulm ein halbes Jahrhundert später (1869) das Stadtrecht verliehen hat.
Natürlich darf man fragen: Muss man kleinzellig parzellieren? Wäre es nicht besser, die Unterschiede eher zu nivellieren? Vielleicht sollten die beiden Städte (wieder) vereint werden. Aber welchem Bundesland sind sie dann zuzuordnen? Bayern? Baden-Württemberg? Wer entscheidet das? Volksabstimmung? Volksentscheid? Per Ordre de Mufti?

Interessant ist, wie schnell mancher Ulmer Lokalpatriot muckt und zuckt, wenn Neu-Ulmer Selbstbewusstsein an den Tag legen. Normalerweise werden sie belächelt und etwas von oben herab betrachtet. Vielleicht, weil da jenseits der Donau früher die niedrigen Dienstleistungen erbracht wurden. Eher dürfen die Söflinger emanzipiertes Verhalten an den Tag legen - aber doch nicht Neu-Ulm.... Zuck ich mal die Schultern. Ohne irgendwie auf Gegensatz oder Andersartigkeit rumzureiten, ohne Geplänkel - auch Neu-Ulm kann, sollte, muss sich bewegen. Und darf sich bewegen. Wenn hier welche auf Ideen kommen, müssen sie sich diese nicht verkneifen, weil der lokalpatriotische Ulmer das Zucken oder Mucken bekommt.

Hier mal meine Version eines "Leitbild Neu-Ulm" (überarbeitete und umformulierte Fassung eines Arbeitsgruppenentwurfs):
 
Alle gesellschaftlichen Gruppen der Innenstadt Neu-Ulm – Dienstleister, Ärzte, Einzelhändler, Grundstückseigentümer, Gastronomen, Künstler, aber auch interessierte Bürger – agieren gemeinschaftlich und prägen durch gemeinsames Agieren das Gesicht (Profil) der Stadt.

Dabei werden die Agierenden auf einfallsreiche, neue, Impulse gebende Aktionen setzen und damit zeigen: Neu-Ulms Innenstadt hat viel zu bieten, ist lebendig, bunt, tolerant, freundlich und unverwechselbar – ein Ort für gemeinsames Erleben.

 Der Begriff „Innenstadt Neu-Ulm“ wird eher weit verstanden. „Zuwachs jeglicher Art von außen“ (Personen oder Geschäfte, Stichwort: Glacis-Galerie) wird als Gewinn verstanden, als ein Eröffnen neuer Möglichkeiten. Jeder, der will, kann mitwirken, niemand wird ausgeschlossen, etwa weil sein Standort nicht zum engsten Stadtkern gehört.

Ideen:
 
Zurückkommend auf den Spruch „Das Schönste an Neu-Ulm ist der Blick auf Ulm“ sag ich: Diese Stärke Neu-Ulms sollten wir nutzen und werben: „Komm nach Neu-Ulm und guck Dir Ulm an“. Dazu bauen wir 20 Plattformen und -AussichtsTürme, an schönen Stellen, an der Donau und im „Hinterland“, mit Audio-Guides und Fernrohren, ansprechend gestaltet mit Sitzmöbeln und Blumen. Es könnte da die Aktion realisiert werden „Neu-Ulmer Ausguck“. Autorinnen und Autoren (nicht nur aber auch aus Neu-Ulm) könnte da lesen, Malerinnen und Maler ihre neuesten Werke vorstellen, FotokünstlerInnen Kurse geben, wie man Ulm aus der Perspektive ablichtet …

Auch ein Wettbewerb mit dem Motto "Ulm den Rücken kehren" könnte viel(e) bewegen. Da sollte aufgerufen werden, Fotos, Videoclips, Audio-Slideshows zu produzieren, die - mit dem Rücken zu Ulm aufgenommen - mal Neu-Ulm in den Blickpunkt rücken.


Sicher wäre es nicht verkehrt. alle in Neu-Ulm aufzurufen, sich daran zu beteiligen, einen Slogan für Neu-Ulm zu finden. Gerade diese beiden Ideen (Fotowettbewerb und Slogan finden) sind Aktionen, die per web 2.0 forciert werden können.


Auch dass Ludwig II., der Märchenkönig, Neu-Ulm zur Stadt erhoben hat, verpflichtet doch. Folgerichtig müsste Neu-Ulm märchenhafter werden. Eine „Märchenstadt Neu-Ulm“ ist aufgrund des derzeitigen äußeren Erscheinungsbildes eher undenkbar. Daran muss gearbeitet werden. Man muss überlegen, was das Thema "Märchen" beinhaltet und daraus Handlungsziele entwickeln, für Architektur und Stadtbild. Bevor Neu-Ulm von Ulm abgetrennt wurde, befanden sich rechts der Donau die Gärten der Ulmer. Zusammen mit den (wirklich herausragend guten) Gartenbetrieben auf Neu-Ulmer Gemarkung sowie den ebenfalls in Stadtkernnähe befindlichen Gartenfachmärkten könnte das Thema Grün in der Stadt zeitweilig oder auf Dauer größer gespielt werden. Das Glacis oder auch der Schwal und der übrige Bereich an der Kleinen Donau" sind zusätzliche Ankerpunkte, plus Anreize fürs Gestalten innerstädtischer Innenhöfe, Plätze und "Vorgärten".

Das AuGuSTheater Neu-Ulm hat vor etwa 15 Jahren die mit uns zusammen ehedem entwickelte Idee „Theater auf Krankenschein“ wieder aufgegriffen. Wir haben diese Idee, mit der wir bei den einschlägigen Ministerien nie ganz durchgedrungen waren, nie ganz aus den Augen verloren und immer an sie geglaubt. Jetzt gibt es in Düsseldorf „Theater auf Rezept“. Wir würden gern anregen: einen „Neu-Ulmer Gesundheitsfond“. Da könnten Finanzmittel aus dem Bereich Prävention, Sponsoren-Zuwendungen, Bußgelder und städtische Unterstützung einfließen, die dann denen zugute kommen, die aus Eigenmitteln nicht am kulturellen Leben teilhaben können. Vor allem musische Angebote für Kinder und Jugendliche könnten hieraus gemacht werden. Dass solche Ideen überregional Aufmerksamkeit erregen, sieht man zum Beispiel hier.

Ich ende jetzt mal hier und hoffe auf Kommentare und auf weitere Ideen.

Sonntag, 27. März 2011

Die Dernière von "Venedig im Schnee" - rundum der Hammer!

Oh - das war ja wirklich toll, wie diese letzte Show von "Venedig im Schnee" gelaufen ist: ein Ensemble in Hochform und das Drumherum, wie man so schön sagt: erste Sahne. Schöner kann man es sich nicht erträumen.

Dabei hatte es morgens nicht so gut begonnen. Zwar hatt die Redaktion der lokalen Sonntagszeitung eine liebevolle Notiz gebracht und trotz Redaktionsschlusszeitenstress noch die Info untergebracht, dass der Autor des Stückes eigens von Paris nach Neu-Ulm (lasst Euch das auf der Zunge zergehen) gereist käme. Aber: Das dazu veröffentlichte große Foto zeigte zwei fremde, auch uns unbekannte Schauspieler, die laut Bildunterschrift angeblich bei uns spielen.

Aber das war das einzige Manko des Tages. Gilles Dyrek, der Autor, kam tatsächlich per TGV. Er war vorher schon mal in Ulm, Schüler, hatte damals in der Jugendherberge auf dem Kuhberg gewohnt, bei einem seiner insgesamt vier Deutschlandbesuche vor rund 20 Jahren. Seitdem hatte er kein Deutsch mehr gesprochen. Dass er in seinem Stück nur "Bahnhof" verstehen würde, war nicht zu erwarten - hatte er doch in "Venedig im Schnee" ("Venise sous la neige"), seinem bislang erfolgreichsten Stück, selbst mehrere hundert Mal gespielt, beide Männerrollen, den Jean-Luc, aber auch den Christophe (den er sich ursprünglich auf den Leib geschrieben hatte).

Wie er uns nach der Vorstellung beim gemeinsamen Nachtessen (mit dem gesamten Ensemble im "Michelangelo" an der Herdbrücke in Ulm) erzählte, hat bei uns die Urfassung seines Stückes gesehen, die - ungeachtet etlicher Aktualisierungen - vom deutschen Verlag noch immer vertrieben wird. Es war sehr angetan, schrieb ins Gästebuch: "Stropié!!! Felicitations - vielen Dank - Gilles Dyrek."

An unsere Facebook-Pinnwand heftete erfolgende Sätze: "Danke für Ihre Aufnahme. Ihr Theater hat eine sehr schöne Seele. Ihr Vorstellung war ein schönes Geschenk für mich. Sie haben mir eine große Freude gemacht. Ich liebe sehr ihr AuGuSTheater. Noch bravo für die ausgezeichneten Schauspieler. Mit Freundschaft Gilles Dyrek"

Seine Glückwünsche (felicitations) wiederholte auch mündlich allen Beteiligten gegenüber, immer wieder, einzeln und global. Na ja, er hatte ja auch viel lachen müssen und auch heftig Zwischenbeifall und Schlussapplaus gespendet.

Apropos Schlussapplaus: Dazu holten wir ihn natürlich auf die Bühne. Und außerdem holten wir auf die Bühne Christa Dubois und ihre Tochter Varinia Dubois. Die beide Damen waren heute erstmals bei uns im Theater. Varinia Dubois hatte "Venise sous la neige", eine der meistgespielten Komödien Europas, schon zwei Mal gesehen, einmal in Paris im Theater und im französischen Fernsehen.

Sie kommt, wie ihr Name vermuten lässt, aus Frankreich. Und sitzt nun erwartungsfroh im AuGuSTheater in der dritten Reihe, um dann - völlig überrascht - einen Mann vor die Nase gesetzt zu bekommen, der, wie sie einer Bemerkung des Platzanweisers entnimmt, Franzose ist, nicht nur das: Er ist der Autor und: wohnt, wie sie selbst, in Fresnes-Paris.

Das ist nicht alles: Ihre Mutter, Crista Dubois ist eine geborene Oertelt aus der Hasslerstraße in Ulm (en passant: einen Steinwurf entfernt von der Jugendherberge, in der Gilles Dyrek gewohnt hatte), die eben irgendwann nach Fresnes-Paris gezogen war. Crista Oertelt kannte das Theater (genauer: den damaligen "Konzertsaal") noch von vor Jahren, da sie als zwölfjährige Ballettratte dort getanzt und sich just an demselben stählernen Feuerlöschschlauchbehälter ein Loch in Kopf  geschlagen hatte wie unlängst der jetzige Theaterleiter.

Jetzt lassen wir die Anekdoten und Gemeinsamkeiten.

Es war ganz herrliches Publikum in der Dernière. Drei junge Männer (so um die 20) zum Beispiel, die nachher gestanden, sie hätten vorher nicht gedacht, dass Theater so viel Spaß machen könnte. Die meisten Leute kann man natürlich nicht persönlich kennen, aber einige haben uns den Abend mitverschönert, die auch hier zum fb-Freundeskreis gehören: die Neu-Ulmer Freischaffende Lilith Milkyway ("Hab mich köstlich amüsiert ((°: Danke"), der Kollege Gerard Hulka, Renate Koch, der Kollege Matthias Born und Gabriela Sperrle ("Vielen Dank für den schönen Theaterabend! Wir werden zukünftig wieder öfter ins Theater gehen! Klasse Stück!").

Muss noch ergänzt werden: Dieser geballten facebook-"Truppe" im Parkett (die mindestens durch die erwähnten drei jungen, allerdings namentlich nicht bekannten Männer verstärkt wurde), standen von Seiten des Ensembles gegenüber: die Actricen Claudia Riese und Christiane Reichert, Techniker Moritz Koch, nicht verwandt und nicht verschwägert mit dem Regisseur Heinz Koch. Richard Aigner wohnt irgendwo in Memmingen hinterm Mond, wo es derzeit praktisch noch keinen Internetzugang gibt. Und Holger Menzel will sich immer mal wieder auf fb anmelden ... Bei der Absicht bleibt's derzeit.

Es ist zwar schon spät; morgen wird umgebaut auf "Frühstück bei Kellermanns" und der Text dazu repetiert, parallel beginnen die Proben zu "fast Faust" - aber vielleicht reicht's noch, ein paar Fotos hochzuladen.

Und - diesen Abend sozusagen emotional nochmals nachzutarocken. Zu genießen, dass er so schön war, ein Glück zu haben, während viele Menschen parallel um soviel kämpfen (müssen). Der Gilles aus Paris schläft jetzt als Gast eines Kleintheaters in der bayerischen Provinz im "Guestroom" eines griechischen Freundes, der ein italienisches Eiscafé betreibt. Was wir beim Nachtessen noch über Politik gesprochen haben (er war über die Varianten möglicher baden-württembergischer Wahlausgänge und die Folgen bestens informiert) lassen wir jetzt hier auch unter den Tisch fallen.

Er hatte im Laufe des Tages genug darüber erfahren, wie Napoleon nach der Bataille d'Ulm das bayerische Oberamt dem Königreich Württemberg zugeschlagen, seine Teile rechts der Donau amputiert und Bayern belassen hatte, dass vor just vor 200 Jahren Neu-Ulm entstanden und ausgerechnet vom Märchenkönig Ludwig II. zur Stadt erhoben worden war; es hatte ihn erschüttert, wie neu (das offenbar im Krieg stark zerstörte) Ulm aussah (nicht das Neue hatte ihn erschüttert, sondern dass soviel hatte neu gebaut werden müssen). Wenn der am 17 Uhr wieder mit dem TGV Richtung Paris rollt, inklusive Ein- und Ausfahrt Stuttgart, bevor es 21 wird ...

 

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Samstag, 26. März 2011

Fällt Dir nix zu "Neu-Ulm" ein?

Was fällt Dir ein, wenn Du "Neu-Ulm" hörst?
Spontan! Nix?
Gibt es da überhaupt irgendwas (Besonderes, Spezielles)?
Hat Neu-Ulm ein Profil?
Muss es das haben?
Reicht es, Anhängsel von Ulm zu sein?
Kennst Du Stärken von Neu-Ulm?
Was würde Dich nach Neu-Ulm locken?
Kennst Du etwas, was nur Neu-Ulm hat?

Es wäre schön, wenn Du Dich zu der einen oder anderen Frage äußern würdest.
Es interessiert mich als in Neu-Ulm arbeitender Künstler.
Alle, die was sagen, sei jetzt schon mal gedankt.
(Und entschuldigt, bitte, die Anredeform - ich wollte es nicht kompliziert machen.)

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Mittwoch, 23. März 2011

Muss mich rar machen

In der nächsten Zeit muss ich mich etwas rar machen.
Einerseits muss "Frühstück bei Kellermanns" wieder aus der Versenkung geholt werden.
Andererseits will jetzt "fast Faust" gelernt und probiert werden.
Es ist nicht so ohne, den ollen Joethe draufzuschaffen - und gleichzeitig den Witz des "Lustspiels für zwei Schauspieler" (von Albert Frank) herauszukitzeln. Aber topp: Ich nehme die Herausforderung an. Ciao, bis denne. "Schönes Fräulein darf ich's wagen ..."

P1000147

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Montag, 21. März 2011

Keine Ahnung - Wie ein Politiker

Hund1_2

Im berühmten Sketch "der sprechende Hund" gibt es eine total aktuelle Passage.Nachdem die Interviewerin den Lehrer des sprechenden Hundes über ein paar Hintergründe befragt hat, fordert sie:
"Herr Dr. Sommer, könnte der Hund jetzt mal irgendwas sprechen?"
Dr. Sommer fragt nach einem Thema. Die Sache pläkelt so hin, dann
Dr. Sommer: "... etwas aus der Wirtschaft?"
Talkmasterin: "Ja, bitte"
Dr. Sommer:"Über Atomstrom"
Talkmasterin:"Nein, das sagt er nicht! Politische Äußerungen von Hunden sind auf dem Bildschirm unerwünscht"
Dr. Sommer:"Aber ich versichere Ihnen, das …"
Talkmasterin:" Neinnein …"
Dr. Sommer:"Ich versichere Ihnen, das Tier äußert sich rein privat … ohne jeden politischen Aspekt"
Talkmasterin:"Atomstrom ist ein politischer Aspekt"
Dr. Sommer:"Na wenn schon"
Talkmasterin:"Und nicht Hunde, sondern Politiker haben darüber zu sprechen!"
Dr. Sommer:" Bello hat das Recht, über Atomstrom zu sprechen … wie ein Politiker!"
Talkmasterin:"Aber er weiß ja nicht, worüber er spricht!"
Dr. Sommer:"Wie ein Politiker!"


Hund

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Samstag, 19. März 2011

Wir sollten Neu-Ulm Beine machen

Kopf

Der Denker (Loriot nach Rodin) denkt:

Soll Neu-Ulm seinen Willen („Ich will bleiben, wie ich bin?“) kriegen?

Oder sollen wir Neu-Ulm Beine machen? Ja?

Dann sollten wir uns treffen. 

Wir?

Ja wir - also alle, die Ideen (für Neu-Ulm) hätten, und Lust haben, diese Ideen zu verwirklichen.

Der erste Treff wäre Donnerstag, 24. März 2011, 19.30 Uhr, Großer Sitzungssaal Rathaus Neu-Ulm.

Neu-Ulm sucht nämlich Konzepte – oder sogar: DAS Konzept für die Zukunft.

Die Hauptsucher dabei sind die Leute, die sich ursprünglich mal vor Jahren zu Zwecken des City-Marketings zu einem Verein namens „Wir In Neu-Ulm“ (WIN) zusammengeschlossen hatten. Der Verein war jetzt einige Jahre ein Tiefschläfer. Die nun konkreter angegangene „Glacis-Galerie“ (Einkaufs-Zentrum an der Bahnhofstraße), für die der alte Bahnhof Neu-Ulm weichen musste, hat potentiel Betroffene geweckt und veranlasst, über ein Konzept (des Überlebens von Handel und Gewerbe) nachzudenken. Mehrere Treffen haben stattgefunden. Ein praktisches, auch kontrovers diskutiertes Ergebnis war der „Winterzauber“ auf dem Rathausplatz. Ein Zweites ist bisher dabei rausgekommen: Es soll eine Broschüre entstehen, Arbeitstitel „Neu-Ulm inside“, mit deren Hilfe sich die (etwa 60 MitmacherInnen) vorstellen.

Wir leben in der Kommune Neu-Ulm.

Die Community Neu-Ulm besteht aber nicht nur aus Händlern und Gewerbetreibenden („WIN“), das haben die auch schon gelernt und Gastronomen sowie Dienstleister mit ins Boot genommen. Ein guter Anfang. Aber:

Ich dachte mir, ein paar andere fehlen noch – die, die man nicht so schnell in eine Schublade stecken kann, etwas hilflos umschrieben mit: die Kreativen, die Künstler(ischen), von mir aus auch (Sub-) Kulturellen.

Wenn sich fünf aus dieser „Riege“ der Freiturner den Donnerstag Abend freinehmen könnten und bei Häppchen und einem Gläschen mit spekulieren würden, wie Neu-Ulm in ein paar Jahren lebendiger und attraktiver dastehen könnte, wäre das nicht so verkehrt.

„Das Schönste an Neu-Ulm ist der Blick auf Ulm“, sagen sogar Prominente Neu-Ulmer gern.

Daraus ziehe ich als erstes den Schluss:

Diese Stärke Neu-Ulms sollten wir nutzen und werben: „Komm nach Neu-Ulm und guck Dir Ulm an“. Dazu bauen wir 20 Plattformen und -AussichtsTürme, an schönen Stellen, an der Donau und im „Hinterland“, mit Audio-Guides und Fernrohren, ansprechend gestaltet mit Sitzmöbeln und Blumen. Es könnte da die Aktion realisiert werden „Neu-Ulmer Ausguck“. Autorinnen und Autoren (nicht nur aber auch aus Neu-Ulm) könnte da lesen, Malerinnen und Maler ihre neuesten Werke vorstellen, FotokünstlerInnen Kurse geben, wie man (Ulm aus der Perspektive) ablichtet ...

Neu-Ulm wird im diesem Jahr 200. Und das Stadtrecht wurde 1869 verliehen von keinem Geringeren als von Ludwig II., dem Märchenkönig. Das verpflichtet doch. Folgerichtig müsste Neu-Ulm märchenhafter werden. Eine „Märchenstadt Neu-Ulm“ ist sicher allein schon aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes eher undenkbar.

Aber über ein Leitbild, einen zukunfts-weisenden und -trächtigen Slogan, sollten wir schon nachdenken. Es täte Neu-Ulm gut, eine solche Grundidee zu entwickeln und zu verfolgen, in der auch wir uns wiederfinden können.

Wie Ihr wisst, hat das AuGuSTheater Neu-Ulm vor etwa 15 Jahren die mit buns zusammen ehedem entwickelte Idee „Theater auf Krankenschein“ wieder aufgegriffen. Wir haben diese Idee, mit der wir bei den einschlägigen Ministerien nie ganz durchgedrungen waren, nie ganz aus den Augen verloren und immer an sie geglaubt. Jetzt gibt es in Düsseldorf „Theater auf Rezept“. Wir würden gern anregen: einen „Neu-Ulmer Gesundheitsfond“. Da könnten Finanmittel aus dem Bereich Prävention, Sponsoren-Zuwendungen, Bußgelder und städtische Unterstützung einfließen, die dann denen zugute kommen, die aus Eigenmitteln nicht am kulturellen Leben teilhaben können. Vor allem musische Angebote für Kinder und Jugendliche könnten hieraus gemacht werden.

In meinen Vorgesprächen hat eine Künstlerkollegin bereits eine Idee angedeutet, die anderswo ein riesiges Interesse erweckt und auch bei uns ein Magnet für die Region werden könnte. Ich fühle mich nicht authorisiert, mehr darüber zusagen (weil ja heutzutage soviel geistiges Eigentum geklaut wird). Aber am Donnerstag werden wir auch die Idee ansprechen.

Es müssen auch Hefepilze implantiert werden, Locations angeboten oder belassen werden, an denen kreatives Schaffen provoziert wird. Was ist mit den Plätzen in Neu-Ulm? Welche Anstöße können wir noch geben? Jetzt hab ich ne Menge angerissen. Nun fehlt mir erst einmal weitere Zeit (gleich ist Vorstellung).

Auf der fb-Seite „AuGuSTheater Neu-Ulm“ hab ich den Termin als Veranstaltung eingegeben. Da sollten sich jetzt die, welche sich angesprochen fühlen, melden.

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