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Mittwoch, 24. August 2011

Macht Loriot seine Drohung wahr?

Loriot-kopf01
Wie hatte Vicco von on Bülow alias Loriot vor knapp vier Jahren bei Beckmann der gerade verstorbenen Kollegin Hamann nachgerufen?
„Liebe Evelyn, Dein Timing war immer perfekt, nur heute hast Du die Reihenfolge nicht eingehalten."
Und dann hatte er gedroht: "Na warte!"
Immerhin fast vier Jahre musste sie warten - ob er ihr jetzt den Kopf wäscht, Perfektionist der er war. Vor allem in Sachen Timing!
Über das Komische hat er mal gesagt:
"Es gibt natürlich die Tendenz bei Kritikern des Komischen, ein Komiker müsse auch immer eine tragische Figur sein - der traurige Clown. Das ist deutsch. Ein Engländer würde darauf nie kommen. Für den ist das Komische so bedeutend und wichtig, daß er froh ist, wenn einer komisch sein kann. In Deutschland wird er erst wichtig, wenn man dem Komiker auch seine tragische Seite nachweisen kann.
Ich werde oft gefragt, ob man in Deutschland weniger Humor hat als anderswo in der Welt. Da ist mir neulich sehr übel mitgespielt worden. Bei einem Fernsehinterview habe ich gesagt: 'Natürlich haben die Deutschen genau soviel Humor wie jedes andere Volk auch ...' Den Rest haben sie abgeschnitten. Aber jetzt kam leider erst die Hauptsache des Satzes, nämlich: '... nur ordnen sie das Komische auf ihrer Wertskala ganz woanders ein. Der Komiker ist ganz weit unten. Die Tragödie ist ganz oben.' "
Wer Loriot im Theater spielte, wurde bespöttelt.
Das hat nachgelassen: Inzwischen nahmen sich große Bühnen in prominenter Besetzung der Loriot-Szenen an, so Gunnar Möller und Christiane Hammacher am Schiller-Theater in Berlin - als Gastspiel einer Produktion der Komödie im Bayrischen Hof (München). Ja, Loriots Dramatische Werke haben regelrecht die deutschsprachigen Theater-Bühnen erobert: Seine "Szenen" waren in der Spielzeit 06 / 07 laut der Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins in der Liste der Werke mit den höchsten Aufführungszahlen an siebter Stelle. 48 222 Menschen hatten die fünf-Minuten-Dramen in 17 Inszenierungen mit 442 Aufführungen gesehen. (Da waren die Zahlen des Theater Neu-Ulm noch nicht einmal dabei, weil wir wegen der Überbürdung im bürokratischen Bereich für diese Statistik nicht gemeldet hatten.) Das, und die Anteilnahme an seinem Tod in diesen Tagen lassen vermuten, dass das Komische in der Werteskala weiter nach oben gerutscht ist.
Die Kunstfigur Loriot war (ist) verdammt politisch.
In der ARD-Reihe Deutschland, deine Künstler (Autorin Claudia Müller) wird deutlich: Die Kunstfigur Loriot war verdammt politisch. In einem besonderen Sinne. Pressemitteilung ARD: "Die Autorin erklärt ..., was die außergewöhnliche Kunstfigur Loriot gesellschaftlich so bedeutend macht: Ihr Werk sei zeitlos, weil es vollkommen ist. Weil Loriots Humor so 'liebevoll' und 'fein-geistig' ist. Weil er uns unsere eigenen Unzulänglichkeiten vor Augen hält, wie etwa unsere Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren oder die radikalen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Ferner hat Loriot mit wachem Blick das Verhalten von Politikern und anderen Machtmenschen geschickt entlarvt und kleinbürgerliche Ordnungsprinzipien ad absurdum geführt."
Noch ein wenig Theorie
Allen, die noch etwas Theorie brauchen, dürfen wir hier die Fundamentalsätze des Großmeisters des hintersinnigen Humors (denn es in Deutschland ja angeblich gar nicht gibt) reichen, ordentlich zitiert, mit Fußnote (Quellen-Angabe):
„Dramatische Werke soll es seit etwa zweitausendfünfhundert Jahren geben. Das kann stimmen, es gab in Berlin schon Theateraufführungen, als ich noch Kind war. Man spielte damals Stücke von Shakespeare, Molière, Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, Ibsen, Strindberg, Hauptmann und ähnliches. Heute sind die genannten Autoren unbekannt und ihre Werke in Vergessenheit geraten. Das Publikum ist anspruchsvoller geworden. Es erwartet die dramatische Verarbeitung von Problemen aus dem eigenen Lebensbereich.
Infolge mannigfaltiger Belastungen durch Beruf, Familie und Freizeit ist der moderne Mensch jedoch kaum noch imstande, sich auf ein mehrstündiges Bühnenwerk zu konzentrieren. Aus diesem Grunde überschreitet so gut wie keines meiner Dramen eine Länge von fünf Minuten. Damit sind sie dem biologischen Rhythmus von Menschen und weißen Mäusen angepasst.“
Ammerland, im Sommer 1981 / Aus Loriots Dramatische Werke, Diogenes Verlag 1981

Donnerstag, 7. Juli 2011

Enormer Rückenwind

Das Foyer des AuGuSTheater Neu-Ulm, bei den Vorstellungen der Theaterpreis-gekrönten Produktion "Helden auf dem Abstellgleis" bereits erfolgreich zum Spielort ("Café Abstellgleis") umgefixt, wird immer häufiger zur Location für besondere events Externer.

So heißt es in diesem Jahr vier mal "Grüner Salon" (beispielsweise am 12. Juni), bei dem Ekin Deligoez, stellvertretende Vorsitzende der "Grüne / Bündnis 90"-Fraktion im Bundestag, jedesmal als Moderatorin aktueller Gesprächsrunden mit anderen prominenten Experten zu brisanten Themen  fungiert; zum Christopher Street Day talkt die Community unter dem Titel  "neu ! Ulm outet sich"; und diese Woche präsentierte die bürgerschaftliche Initiative " Wir in Neu-Ulm" ihre druckfrische, aufwendige Informationsbroschüre "Neu-Ulm inside" der Öffentlichkeit.  Ein schönes Fest, Dank an und Ansporn für die Beteiligten zugleich, Abschluss einer Etappe und Startschuss für weitere in einem gleichzeitig vorgelegten Strategiepapier skizzierte Aktivitäten.

Die Broschüre informiert nicht nur über Potentiale der Neu-Ulmer Innenstadt, nein, sie bietet auch einen darüber hinaus gehenden Mehrwert: enthält sie doch jede Menge Boni und Rabatte, welche die im Heft vertretenen Firmen anbieten. Die Broschüre ist durch die Zusammenarbeit der Neu-Ulmer Innenstadt-Aktivisten zustande gekommen. Und auch das Fest, mit dem das erste Etappenziel gefeiert wurde, war eine Gemeinschaftsleistung mit Angeboten für Leib und Seele, erbracht vom in ganz ungewöhnlicher Weise beteiligten und engagierten Designbüro über Leute aus der Stadtverwaltung bis zu hin zu Gastronomen, Weinspezialisten, Bäckern, Metzgern, Konditoren und Helfern - sowie von uns Theatermenschen.

Der "Schirmherr" der ganzen Aktivitäten, Neu-Ulms OB Gerold Noerenberg, welcher viele der vorbereitenden Schritte persönlich begleitet hatte, zeigte sich ganz offensichtlich sehr angetan von so viel Neu-Ulm-Begeisterten und versprach hoch und heilig, auch das Weitere von Herzen zu unterstützen.

Zur Überraschung der Gäste hatten die Haus-"Herren"  den Abend eröffnet: Das Komödianten-Duo "Riese & Ko" (Claudia Riese und Heinz Koch), die nicht nur Gastgeber an diesem Abend waren, sondern sich mit viel Elan auch in dieser Initiative für die Stadt und die Bürgerschaft engagieren, startete mit einem knapp halbstündigen Comedy-Programm ins Fest.

Den vielen positiven Kommentaren nachher war zu entnehmen: Dem Publikum hat das Gebotene ausnehmend gut gefallen. Es gab sogar direkt nachher ein Anschluss-Engagement. Und so mancher fragte sich laut: "Wieso bin ich nicht früher schon öfter hier gewesen?" Insbesondere gibt es, juhu, durch den überzeugenden Auftritt enormen Rückenwind für das Projekt "Pocket-Klassiker-Biennale", welches ja Neu-Ulm wiederum etwas Besonderes bringt.

Zentrale Szene war übrigens die im Ruhrpottslang (Jürgen von Manger) hingefetzte und auf Schwäbisch (Luise Häberle) kongenial parierte Story, wie Heinz nach Neu-Ulm kam und von einer Passantin (wieder fulminant: Claudia) wissen wollte, wie er in die Ulmer City gelangt.
Neben der Broschüre ist auch längst ein Strategiepapier zur Zukunft von Neu-Ulm Innenstadt erarbeitet worden. Es wird demnächst auch offiziell der Stadt übergeben. In diesem Strategiepapier sind bereits weitere Aktivitäten skizziert, einiges ist schon in der Mache - so war der Abend, mit dem sich die Akteure vordergründig selbst feierten, Belohnung und Ansporn zugleich.

Neu-Ulm mausert sich ...


Freitag, 26. März 2010

Wuppertal am Welttheatertag Schauplatz eines entfesselten Theaterbekenntnisses

"Freiwillige Aufgabe" wird gern missverstanden

Am 27. März ist Welttheatertag. Da wird die bislang größte gemeinsame Aktion der deutschsprachigen Theater über die Bühne gehen, in Wuppertal, wo man die "Wuppertaler Bühnen" über die Wupper gehen lassen will. Deshalb veranstaltet die Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein diese Großveranstaltung als Solidaritätsaktion, die auch von den Theaterfreunden der Wuppertaler Bühnen und des Sinfonieorchesters Wuppertal gefördert wird. An sechs Spielstätten in Wuppertal wird von mehr als 50 Theatern gespielt! Wuppertal soll Schauplatz eines entfesselten Theaterbekenntnisses sein.

Wer fährt schon nach Wuppertal, um sich eine Hose zu kaufen? Natürlich niemand. Aber Familien aus der Region kennen den Wuppertaler Zoo und Technikfreaks im weiteren Umkreis die Schwebebahn, das Wahrzeichen Wuppertals, ein ziemlich einmaliges Verkehrsmittel. Für weitaus mehr Menschen in aller Welt aber ist mit Wuppertal untrennbar verknüpft mit "Tanztheater" und dem Namen Pina Bausch. Und in dieser Stadt sollen also jetzt für die Theaterleute die Lichter ausgehen.

In einer Stadt, die Geburtsort einer ganzen Reihe bekannter Persönlichkeiten (darunter auch viel Künstler) ist; unter anderem stammen aus Wuppertal, beziehungsweise aus den Vorgängerstädten Barmen und Elberfeld: Friedrich Engels, der gemeinsam mit Karl Marx den Marxismus entwickelte, Friedrich Carl Duisberg, als Chemiker und Industrieller Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich an der Entwicklung der chemischen Industrie in Deutschland beteiligt, ebenso wie Friedrich Bayer, Gründer der Farbenfabrik Friedrich Bayer, heutige Bayer AG, die Lyrikerin Else Lasker-Schüler, Ferdinand Sauerbruch, der bedeutendste Chirurg seiner Zeit, der Philosoph Rudolf Carnap, ein bedeutender Vertreter des logischen Empirismus; weiter: Horst Tappert, die Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer, der Schauspieler und Comedian Christoph Maria Herbst sowie auch Tom Tykwer; und der in Barmen geborene Johannes Rau war zwei Jahre Oberbürgermeister von Wuppertal, später langjähriger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und achter deutscher Bundespräsident. Und noch ein bekannter Name: Alice Schwarzer wurde in Wuppertal geboren.

Mit diesen Namen verbindet sich einiges. Eine solche Stadt sollte eine Kulturstadt sein. Immerhin steht Wuppertal mit rund 355.000 Einwohnern von der Größe her an 17. Stelle in der Liste der deutschen Städte. Wie auch immer - die Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein will jedenfalls ein Zeichen setzen, lädt nach Wuppertal ein zur Feier des Welttheatertages 2010. Dabei protestieren über sechzig Theater und zahlreiche Persönlichkeiten aus Kunst, Politik und Wirtschaft gegen die finanzielle Auszehrung der Kommunen und der damit verbundenen Unterhöhlung des Selbstbestimmungsrechtes.

In einem Statement der Intendantengruppe heißt es: "Die Steuerpolitik von Bund und Ländern stellt nicht nur einen Verstoß des Konnexitätsprinzips dar, welches die Gesetzgeber auf den Ausgleich für die finanziellen Folgen ihrer Gesetze verpflichtet, sie unterwandert auch die Basis unserer Demokratie. Denn vor allem in den Kommunen wird Demokratie wirklich erfahrbar. Die ständig
sinkende Beteiligung an Wahlen hat in dem Zustand unserer Kommunen eine Ursache.

Wir befürchten, dass die in Wuppertal beabsichtigte Schließung des Schauspielhauses, das 1966 von Heinrich Böll eröffnet wurde und Schauplatz einiger der größten Tanztheater-Visionen von Pina Bausch war, sich zu einem Signal mit verheerenden Folgen in der viel bestaunten deutschen Theaterlandschaft ausweitet. Längst nämlich sind auch eine Reihe anderer Theater ähnlich bedroht.

Die Begründung, Kultur sei eine 'freiwillige Aufgabe' der Kommunen, ist angesichts der Geschichte Deutschlands ein zynisches Argument. Die Bundesrepublik ist der Nachfolgestaat der Nazi-Diktatur, in der Kultur und Sport gleichgeschaltet waren. Deshalb wurden sie in der Bundesrepublik als 'freiwillige Aufgabe' definiert. Die Kommunen sollten selbst entscheiden, wie sie Kultur und Sport fördern wollten. Die Bezeichnung 'freiwillige Aufgabe' beschreibt also ein Privileg, keine Beschränkung."

Holk Freytag, der Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein, schließt das Statement ab und stellt fest: "Die Bundesrepublik Deutschland gibt jährlich ca. zwei Milliarden Euro für die Theater und Orchester aus – das sind ziemlich genau 0,2 Prozent aller öffentlichen Haushalte. Wehren Sie sich gegen jeden Versuch, durch Kürzungen dieser Mittel unsere Jugend von der Fortschreibung unserer Kultur abzuschneiden und unsere Kommunen weiter auszuzehren."

Posted via web from augustheater's posterous

Samstag, 20. März 2010

Was soll ich mit der Verantwortung


Wer ist verantwortlich? Was soll ich mit Verantwortung? Weg damit! So scheinen mir manche Zeitgenossinnen und Zeitgenossen zu denken. Als Künstler! Als Schauspieler! Sowas kann ich mir gar nicht vorstellen. Dass ich Verantwortung abgebe. Aber nach einer Vorstellung kommen mir immer wieder Gedanken. Ich kann nicht einfach abschalten. Hab ich alles gemacht, was ich kann? Hab ich Kunst geliefert? Schauspielkunst?
Manche reden sich raus: "Ich mach alles, was die Regie gesagt hat." Dabei ist schon fraglich, ob sie "die Regie" nun wirklich und wahrhaftig und üüüüberhaupt verstanden haben. Wenn jemand kritisch anmerkt: "Was ich da von Dir gerade auf der Bühne gesehen und gehört habe, finde ich etwas dünn." dann reden sie sich raus: "Aber genau so soll ich es machen - hat die Regie mir gesagt." 
Die Regie aber rotiert, weil die Actrice, der Acteur gar nichts verstanden hat. Da steht "die Regie" schön blamiert da. Sie ist für das Kunstwerk verantwortlich. Sie steht im Programmheft als Urheberin des Kunstwerks. Aber die Darsteller. die für ihre Darstellung - verdammt nochmal - verantwortlich zeichnen sollten,  reklamieren absolut nur bei  positiver Resonanz die Leistung für sich. Hat jemand was zu bemängeln, zu monieren, zeigen sie mit dem Finger auf  "die Regie", welche angeblich nicht richtig, nicht genau genug, völlig oberflächlich, total unkünstlerisch ... (Ihr wisst schon ....)
Das alles ist angesichts der wirklichen Probleme in der Welt nun absolut unbedeutend. Aber wenn Du von der Bühne kommst und damit leben musst, dann tangiert es Dich unmittelbar. Gute Nacht.

Freitag, 19. Februar 2010

KünstlerInnen: Ideen sind gefragt

Meist kommen PolitikerInnen kurz vor einer Wahl darauf, so zu tun, als seien sie auch an Künstlern und ihren Problemen interessiert. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen im Wahlkreis Neu-Ulm, die stellvertretende Vorsitzende der "Grüne"-Bundestagsfraktion Ekin Deligöz, verhielt sich antizyklisch: Sie hatte heute ganz unkonventionell zu einem Tässchen Tee ins Theatercafé eingeladen, nicht, weil eine Wahl bevorsteht, sondern weil sie nämlich in ihrer Fraktion ein neues Aufgabengebiet übernommen hat:

Sie ist die "politische Koordinatorin" des Arbeitskreises 5 (Wissensgesellschaft und Generationen) in dem behandelt werden die Themen:

Kinder, Familie, Jugend, Demografische Entwicklung & Altenpolitik, Bildung, Forschung, Hochschulen, Kultur, Medien, Frauen und Gender, Technologiepolitik.

Frau Deligöz ist, so unser Eindruck, sehr erpicht darauf, sich sachkundig zu machen und dann kompetent zu agieren.

Jetzt könnte die Schwarmintelligenz mehr als einen Stich machen:

In diesem Arbeitskreis 5 ist doch offenbar miteinander verknüpft jede Menge von dem, was Künstler direkt und indirekt angeht, sie bewegt, wofür sie arbeiten (wenn sie nicht l'art pour l'art machen).

Also: Gebt Eure heimlich gesponnenen Ideen preis und sagt, was "die Politik" tun könnte, um das Potential der KünstlerInnen auszuschöpfen, ohne sie auszubeuten oder zu instrumentalisieren. Lasst uns zusammentragen, was die Gesellschaft für uns tun könnte, damit wir etwas für die Gesellschaft tun können. Ich wette, viele von Euch haben was auf Lager.

Geht auf mein posterous-blog und nutzt die Kommentar-Funktion. Frau Deligöz und andere PolitikerInnen lesen hier mit. Es könnte ein Dialog entstehen.

Andere web 2.0-Möglichkeiten:

http://twitter.com/ekindeligoez

http://www.facebook.com/ekin.deligoez

Und ganz wichtig: der Link zum Schlussbericht der Bundestags-Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland".

Posted via web from augustheater's posterous

Donnerstag, 18. Februar 2010

Diese bescheuerte Kopplung von Relevanz und Unterhaltung

Da findet sich ein Interview mit Nis-Momme Stockmann in der Südwest Presse, in dem der junge Dramatiker ein paar Sachen loslässt, die zu diskutieren sich lohnen würde. Ob es dazu kommt?
Ich greife mal heraus seine Antwort auf die Frage
Was würden Sie gerne am Theaterbetrieb verändern?
STOCKMANN: "Alles. Und auch wieder nichts. Irgendwie zählt man sich doch auch immer ein Stück weit dazu, wenn man zu reformativ daher kommt. Und das will man dringend vermeiden, wenn man den Betrieb kennt.
Um den bleibenden Schaden des Anachronismus abzuwenden (also vor allen Dingen das Fernbleiben junger Menschen), wäre es für das Theater wichtig, sich zu ent-eiteln. Denn in Wahrheit - so nimmt das die ganze Außenwelt wahr - ist es an der Grenze zum Peinlichen, mit dem Begriff "Regisseur" und/oder vor allen Dingen "Dramatiker" sich und allen anderen eine Zeitgemäßheit vorzugaukeln.
Theatereitelkeit ist doppelt tugendschlecht: Weil der Betrieb eben so krötig in seiner eigenen Schlacke hockt, fehlt einem oft noch dazu die soziale Feinmotorik, die Albernheit als solche wahrzunehmen.
Eine großartige Veränderung wäre es, wenn Theater wieder ein Ort wäre, an dem polarisiert wird, an dem große Reibung stattfindet.
Aber auch hier gilt meist: Ich geh mit der Meinung raus, mit der ich reinging, und diese teile ich mit Regisseur und Autor. Ich nehme mich da nicht aus.
Auf dem Papier ist Theater aber ein Ort mit der Möglichkeit, unbequeme Diskurse anzustoßen und zu debattieren. Aber vielleicht ist das viel. Reichen würde auch schon, wenn das Theater einfach mal den Mut hätte, 'nur' unterhaltend zu sein und es diese bescheuerte Kopplung von Relevanz und Unterhaltung in dasselbe Archiv steckte, wo auch schon das interaktive Theater sein verdientes Ende fristet.
Theater kann aber auch ganz groß sein, anarchistisch, beseelt, lebendig und bunt - so wie kein anderes Medium. Wenn es darf. Und es darf, wenn es will."
Ja ---- jetzt aber - das lass ich mir nochmal auf der Zunge zergehen: "Reichen würde auch schon, wenn das Theater einfach mal den Mut hätte, 'nur' unterhaltend zu sein und es diese bescheuerte Kopplung von Relevanz und Unterhaltung in dasselbe Archiv steckte, wo auch schon das interaktive Theater sein verdientes Ende fristet."
Info: Nis-Momme Stockmanns Stück "Kein Schiff wird kommen" feiert am Freitag, 19. Februar 2010 Uraufführung in Stuttgart.